Der schnelle Garten – Sheet Mulch

Heutzutage soll ja immer alles schnell gehen und obwohl ich dem meist wiederspreche, ziehe ich einen Instant-Garten stundenlangem Umgraben vor. Wie praktisch, dass die Permakultur da eine tolle Methode hat, das so genannte Sheet Mulching.”Sheet” ist englisch für Laken, Blatt, Platte, etc. – also ein dünner, meist rechteckiger Gegenstand. Und um es mal ganz kurz auszudrücken, geht es darum auch: Man schafft sich ein Beet, indem man die vorhandene Vegetation mit dünnen, meist rechteckigen Gegenständen, also zum Beispiel Pappe oder Zeitung abdeckt.

Vorteile und Nachteile

Natürlich ist es nicht ganz so einfach, daher erstmal ein kleiner Ausflug in die Vorteile des Sheet Mulching:

  • die Bodenstruktur bleibt erhalten, was für die Bodenorganismen von Vorteil ist
  • der Mulch verhindert Austrocknen, Erosion und Nährstoffverlust der Erde
  • der Mulch unterdrückt ungewollte Vegetation, zB hartnäckige Unkräuter wie Giersch und Efeu
  • Mulch schafft Lebensraum für Spinnen, die wiederum Schädlinge im Garten fressen
  • und natürlich spart es mir als Gärtner eine ganze Menge Arbeit

Nachteile des Sheet Mulch sind,

  • dass man nicht diesen Bloße-Erde-Effekt hat, den manche Gärtner gerne mögen
  • dass Schnecken Mulch mögen (und leider nicht von den Spinnen gefressen werden)
  • dass im ersten Jahr viele Nährstoffe in der Erde sind, was sich bei manchen Pflanzen negativ auswirken kann (Sepp Holzer empfiehlt für seine Hügelbeete, die ähnlich errichtet werden, nur Starkzehrer im ersten Jahr)
  • und dass man für die Schaffung des neuen Beets eine ganze Menge Resourcen braucht

Anwendung

Angewandt werden kann der Sheet Mulch besonders bei der Anlegung von Beeten, die mit schon vorhandenen Pflanzen bestückt werden sollen, also mit Bäumen, Sträuchern, Stauden, etc. Allerdings können auch “Problemzonen” schon vorhandener Beete mit Sheet Mulch bestückt werden.

Was braucht man?

Für das neue Beet werden grob zwei Sachen benötigt: Sheet und Mulch.

Sheets sind ja wie gesagt Pappe, Papier, Zeitung, alte Kleidung/Stoffe etc.. Besonders (unbedruckte) Pappe ist toll, weil sie recht dick ist und das Unkraut gut unterdrückt. Im Hausgebrauch hat man oft nicht genug Pappe, aber man muss sich nur mal bei größeren Firmen in Nähe umschauen und findet dort oft haufenweise alte Kartons. Tipp: Bei Fahrradläden nachfragen – die haben oft XXL-Kartons in Fahrradgröße.

Der Mulch kann fast alles organische Material sein; er wird in zwei Kategorieren unterteilt: Unkrautfrei und Nicht-Unkrautfrei.
Möchte man das neue Beet anlegen, wo schon eine Menge Vegetation ist, kann man diese einfach niederhacken/schneiden und hat schonmal eine Menge Mulch. Dieser fällt aber in die Kategorie Nicht-Unkrautfrei, da sich darunter sicher auch eine Menge Unkrautsamen und – wurzelstücke befinden, die man ja eigentlich loswerden möchte. Ebenso ist normales Stroh und Heu Nicht-Unkrautfrei, da sich darin meist noch vereinzelte Getreidekörner und Wiesenblumensamen befinden. Der ganze Nicht-Unkrautfrei-Mulch ist wunderbar als erste Lage auf dem neuen Beet, denn darüber kommt dann die Pappe (o.ä.), die eventuell neu keimendes Unkraut am Durchkommen hindert.
Unkrautfreier Mulch ist demnach logischerweise Mulch, in dem sich keine Unkrautsamen oder -wurzelstücke befinden, also Holzchips, Rindenmulch, getreidefreies Stroh (das gibt es speziell für Strohballenhäuser, aber für den Hobbygärtner ist der Besorgungsaufwand sicher nicht lohnenswert), Papierschnipsel, Zeitung, etc.

Während man die Pappe noch ganz einfach bekommen hat, ist es ein wenig schwieriger an Mulch ranzukommen, wenn man nicht schon eine Menge hat. Da hilft es, sich an Gärtnerfreunde zu wenden, zu einer Kompostierungsanlage zu fahren oder herauszufinden, was sonst im Umkreis so mit Grünschnitt/-müll passiert, und dort nachzufragen. Gartenpflege- und Baumpflegeunternehmen haben oft eine Menge Grünschnittabfälle, die sie kostenpflichtig beseitigen müssen und freuen sich manchmal über nette Gärtner, die ihnen was abnehmen.


Wie wird’s gemacht?

Das ist sicher der einfachste Teil: Man sucht sich einen Platz, an dem ein Beet entstehen soll. Dort wird vorhandene Vegetation (falls vorhanden und falls notwendig) runtergeschnitten.
Falls größere Pflanzen wie Büsche und Bäume später das Beet bevölkern sollen, pflanzt man sie am besten jetzt, um nicht hinterher wieder große Löcher in den Mulch machen zu müssen.
Außerdem sollte die Stelle vorher sehr gut gegossen werden, da die Schicht, die später Unkraut unterdrücken soll, Wasser gut aufsaugt, aber nicht so gut durchlässt.
Auf Gras und ähnlich kurze Pflanzen kann der Mulch einfach drauf gelegt werden. Genau das passiert jetzt auch: Erst kommen eventuelle Lagen von unkrauthaltigem Mulch, dann die “sheets”, also die Pappe, o.ä.
Falls schon größere Pflanzen vorhanden sind, wird die Pappe mit einem Abstand von ca. 2,5 cm vom Stamm um sie herumgelegt.
Darauf kommen dann Lagen des unkrautfreien Mulchs, Holzchips, andere kompostierbare Stoffe. Als zweitoberste Schicht kommt Kompost, dann noch eine Schicht Stroh o.ä., das Verdunstung verhindert.
Es ist gut, beim Bauen immer mal wieder alles gut zu bewässern, da dies dem Verrottungsvorgang hilft und da der Mulch wie gesagt ja auch Wasser nicht so gut durchlässt.
Legt man als oberste Schicht Stroh oder ähnlich leichtes Material, hilft Befeuchten dabei, dass es nicht wegfliegt.

Sheet Mulch muss nicht wissenschaftlich genau gelegt werden – es kann alles sei von einer Schicht Pappe mit einer dicken Oberlage Stroh bis hin zum Super-Sheet-Mulch, der 10 verschiedene Lagen in einer bestimmten Reihenfolge aufweist, … Der Fantasie sind da kaum Grenzen gesetzt und man kann sich einfach seinen Resources orientieren.

Wie wird gepflanzt?

Das Beet ist nun fertig für Pflanzen. Man kann Sheet Mulch allerdings auch im Herbst ausbringen, damit man im Frühjahr ein wunderbar kompostiertes Beet hat.

Um schon größere Pflanzen aus Töpfen zu setzen, zieht man die obersten Mulchlagen am gewünschten Platz auseinander und schneidet/hackt ein kreuzförmiges Loch mit seiner Schaufel in die Papplage. Je nach Pflanzengröße, kann der Wurzelballen entweder auf das Kreuz gesetzt werden oder man gräbt unter der zur Seite geklappten Papplage und setzt den Wurzelballen ins Loch. Die Papplage wird dann zurückgeklappt und der Wurzelballen, der in über den Papplagen liegt, wird in Erde eingepackt. Danach kann der restliche Mulch wieder zurückgeschoben und die Pflanze gegossen werden. Fertig!

Um Samen zu säen, wird auch wieder der Oberflächenmulch zur Seite geschoben, dann gibt man Erde oder Kompost auf die Papplage und darauf werden die Samen gesät. Dann gießt man und freut sich dann auf die wachsenden Pflänzchen.

Soviel zum Thema Sheetmulch – noch Fragen? Ich werde in den nächsten Tagen auch mal Bilder von unserm Sheetmulch-Beet von letztem Jahr posten.

Quellen: Eigene Erfahrung; Permaculture Design Course 2009, Aranya, Steward Wood; Sepp Holzers Permakultur von Sepp Holzer; Edible Forest Gardens von Dave Jacke, Vol. 2, pp. 402-406.

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Nowadays everything has to be fast and easy and even though I usually think differently, I’d rather have an instant garden than digging for hours. How convenient that permaculture has a great method for that, the so-called sheet mulching. To put it simply, you create a garden bed by putting down some kinds of sheets on the existing vegetation.

Advantages and Disadvantages

Of course it’s not that simple, so first of all a little digression into the advantages of sheet mulching:

  • The soil structure stays the same which is more favourable for soil organisms
  • the mulch gives the soil organisms food directly so that soil life is stimulated and they’re starting to work the soil more
  • the mulch prevents drying out of the soil, erosion and loss of nutrients
  • the mulch inhibits unwanted vegetation, such as persistent weeds like ivy and ground ivy
  • the mulch creates a habitat for spiders that will then eat pests
  • and of course the mulch saves me, the gardener, a lot of work

Disadvantages of sheet mulch are…

  • you don’t get the bare soil-look that some gardener loves so dearly
  • slugs love mulch (and sadly, the spiders won’t eat them)
  • in the first year the mulch greatly increases the amount of nutrients in the soil, which can be disadvantageous for some plants (Austrian permaculturist Sepp Holzer recommends only planting high nutrient-demanding plants in the first year in his hill beds which are similar to sheet mulched beds)
  • and that you need quite a bit of resources for the creation of your new bed

Application

Sheet Mulch can be applied especially for the creation of new beds that will later be planted with potted plants, such as perennials, trees and shrubs. But also beds for seeds or “problem zones” of existing beds can be improved with sheet mulch.
What do you need?

For the new bed you basically need two things: Sheets and mulch.
Sheets are anything flat and bio-degradable, such as cardboard, paper, newspaper, old clothes/fabric.
I like especially cardboard because it’s quite thick and smothers weeds well. Usually a household doesn’t generate enough cardboard for a big bed, but look around at companies in the area – they often have big heaps of waste cardboard boxes. A bike shop in our area has a great XXL cardboard boxes that their bikes come in!

The mulch can be any organic material and is divided in two categories: weed-free and non-weed-free.
If the spot of your new bed already has vegetation, just cut it down or shred it and you already have a lot of mulch. This is non-weed-free mulch though as it is likely that there are seeds in it and of course root bits that can regenerate.
Also in this category is normal straw or hay which usually contains a lot of seeds.
The non-weed-free mulch is a great first layer which will then be covered by the weed-smothering layer, but I digress.
Weed-free mulch is then logically mulch that does not contain any seeds or root bits, such as wood chips, bark mulch, grain-free straw (available specially for straw-bale architecture, so it’s maybe not a feasible option for small-scale gardeners), paper chips and newspaper.

While the sheets (f.e. cardboard) are relatively easy to procure, mulch is a bit more tricky. It’s useful to talk to your gardener friends, to drive to a composting plant or to find out where organic material is disposed of in the your area. Landscaping, gardening and tree caring companies often have a lot of organic waste and have to pay money to have it removed, so often they will gladly give some of their “waste” to a nice gardener.

How is it done?

This is probably the most simple part: Find a nice spot for your new bed. Cut down existing vegetation if necessary.
If you want to have bigger plants (shrubs, trees) in your future garden bed, plant them now to avoid making big holes in your sheet mulch later.
Also the spot should be watered very well now because the sheet mulch will impede the water flow later on.
Gras and other short plants can just be covered in the sheet mulch and that’s exactly what’s happening now:
First you cover your future bed with the non-weed-free mulch. Then your “sheets” that function as weed-barrier, e.g. your cardboard or whatever you have at hand.
If your bed already contains big plants such as shrubs or trees, lay the cardboard with a distance of an inch (2.5 cm) to the trunk
On top of that you put layers of weed-free mulch such as wood chips and other bio-degradable materials. Then a layer of compost and at last a layer of straw or a similar material that protects from erosion and evaporation.
While assembling your bed, it’s good to water every now and then to speed up the composting process and, as I said before, because the mulch hinders the water from going through.
If your last layer is straw or other light material, watering it will keep it from flying away.

Sheet Mulch does not have to be applied scientifically correct – it can be anything from a layer of cardboard with a thick layer of straw on top to a super sheet mulch with 10 layers in an exact order,… There are no limits to your ideas apart from your resources.

How to plant

The bed is now ready for plants. You can also use sheet mulch in fall, though, so that in spring you have a wonderfully composted bed.

To plant potted plants, just pull apart the upper lays of the mulch and cut an X into the weed-barrier using a trowel. Depending on the size of the plant, either put the root ball on top of the X or fold the weed barrier aside, dig a little deeper, put in the root ball and fold back the weed barrier. After that pack some soil or compost around the roots and push the mulch back around it. Water it and you’re done!

To plant seeds again the mulch is being pushed aside and compost or soil is added on top of the weed barrier. On top of that you plant your seeds, water them and wait for your plants to grow.

So much for sheet mulch – questions anyone? Within the next few days I’ll post some pictures of our latest sheet mulch bed.
Sources: My own experience; Permaculture Design Course 2009, Aranya, Steward Wood; Sepp Holzers Permakultur by Sepp Holzer; Edible Forest Gardens von Dave Jacke, Vol. 2, pp. 402-406.

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8 Comments

Filed under garden, Permaculture

8 responses to “Der schnelle Garten – Sheet Mulch

  1. Hey,

    jetzt muss ich doch mal nachfragen, weil ich genau diese Methode auch bei mir im Garten anteseten will:
    Wenn du Samen pflanzt, kommen die einfach in die oberste Schicht auf die Pappe, ohne dass du an der Stelle ein Loch in die Pappe machst?
    Die Wurzeln schaffen es dann, die Pappe zu durchwurzeln?

    • naturescookbook

      Ja, normalerweise mache ich kein Loch in die Pappe. Es muss natürlich alles gut feucht gehalten werden, aber die Wurzeln kommen durch die feuchte Pappe durch.

  2. viktor

    hier der schöne film dazu
    http://backtoedenfilm.com/faqs/index.html
    er schichtet aber zuerst kompost dann die holzchips, scheint mir auch logischer. bei dir wirklich der kompost zuoberst?
    ein wirklcih hilfreicher und sinnvoller blog, danke!
    gruß, viktor

    • naturescookbook

      Sheet Mulch ist etwas individuelles und man kann es, wenn man sich an die groben Prinzipien hält (dicke Schicht kompostierbares Material), eigentlich machen, wie man es möchte. Kompost unter die Pappe klingt klasse, allerdings braucht man zuoberst ja auch etwas, in das man dan seine Samen sät oder Pflänzchen pflanzt. Es sei denn, man gibt jedem Pflänzchen erst beim Pflanzen eine Handvoll Erde mit. Ich denke, es kommt einfach darauf an, was man erreichen möchte: Meine Gartenwege sind auch ge-sheetmulch-t, allerdings habe ich dort nur Stoff/Pappe/Häckselgut und keinen Kompost, weil ja dort nichts wachsen soll. In den Beeten gebe ich Kompost mit drauf, achte allerdings drauf, dass dort keine Beikrautsamen drin sind, sonst wär’s ja umsonst. 😉

      • viktor

        das war ein kleines missverständnis, der kompost nicht unter die pappe/zeitung sondern auf diese, aber unter den holzschnitt. dieser sollte nicht der übliche rindenmulch sein sondern wirklcih die ganze biomasse von ästen, grünzeug etc geheckselt, da boden sonst versauert.
        weiters dürfe kompost/erde und holzschnitt nicht vermischt werden, sondern dieser immer obenauf liegen, als bedeckung/fell, feuchtigkeitshalter und nährschicht der erde darunter.
        lg,v

      • naturescookbook

        Ja, genau, so wird’s bei uns auch gemacht. Der Holzschnitt ist ganz toll um Mykorrhiza anzuregen – wenn man nach einem halben Jahr ein wenig im Holzschnitt gräbt, sieht man viele weiße Pilzwurzeln und sieht sogar, wie sie die Pflanzenwurzeln verbinden. Und guten Kompost machen die Holzschnitzel auch.

  3. pats

    wie habt ihr das mit dem kleber, der in der pappe ist oder sonstigen (u.U. giftigen) stoffen?

    • naturescookbook

      Wir nehmen, wenn möglich, Pappe, die nicht bedruckt oder mit Klebestreifen beklebt ist. Den Kleber in der Pappe nehmen wir in Kauf.

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